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Prof. Dr. Wolfgang Feist im Plenarsaal

  

 

Das Publikum im Plenarsaal des Congress Center in Frankfurt am Main bei der Eröffnung der 13. Internationalen Passivhaustagung

  

Prof. Dr. Wolfgang Feist über die Rolle des Passivhaus-Standards in die Zukunft

 


Die Welt der energieeffizienten Architektur zu Gast in Frankfurt während der
13. Internationalen Passivhaustagung 2009 - Rückblick

Darmstadt, 05.05.2009 - Über 1.200 Teilnehmer aus mehr als 50 Ländern trafen sich Mitte April während der 13. Internationalen Passivhaustagung in Frankfurt am Main. Die 16 zweisprachigen (deutsch/englisch) Arbeitsgruppen beschäftigten sich u.a. mit Klimaschutzpolitik, Sanierung, Nichtwohnbau und Neuen Anwendungen des Passivhausstandards. Neben der Tagung bestätigte die Fachausstellung mit über 4.000 Besuchern in der Messehalle, dass Passivhäuser längst keine exotischen Besonderheiten sind, sondern ein Baukonzept für alle.

„Heute ist der Impuls in alle Länder der Europäischen Union hineingetragen: Tatsächlich gibt es jetzt überall Passivhaus-Initiativgruppen und in fast allen Ländern auch bereits erfolgreich realisierte Demonstrationsprojekte. Der Keim hat sich schnell über die ganze Welt ausgebreitet: Wir können auf dieser Tagung über Projekte in Sri Lanka, Produktentwicklungen aus Weißrussland und Ansätze in China berichten“, so Prof. Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Passivhaus Instituts und Inhaber des Lehrstuhls für Bauphysik an der Universität Innsbruck (Foto).


Für die Europäische Kommission stellte Patrick Lambert (Foto), Leiter der Agentur für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (EACI), die EU-Projekte zum Passivhausstandard vor.

 


 

 

Die Hessische Umweltministerin Silke Lautenschläger (Foto) betonte die Umsetzung des Passivhausstandards als Investition in die Zukunft, insbesondere für die Modernisierung von bestehenden Gebäuden

 

 

 

Die Verpflichtung der Stadt Frankfurt zum Passivhausstandard geht noch über die vorliegenden Beschlüsse hinaus. Bis 2013 werden voraussichtlich 1.300 Wohnungen im Passivhausstandard errichtet, so die Frankfurter Stadträtin Dr. Manuela Rottmann (Foto) bei der Eröffnung der Tagung.

 

 

 

 

Der Geschäftsführer der ABG Frankfurt Holding Frank Junker (Foto) berichtete, wie er anfangs dem Konzept skeptisch gegenüber stand und nach den ersten Erfahrungen mit den von der ABG selbst gebauten Passivhauswohnungen beschloss, ausschließlich nach dem Passivhausstandard zu bauen.

 

 

 

Dr. Hans-Joachim Ziesing (Foto), ehemaliger Senior Executive im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin zeigte die ökonomische Notwendigkeit der Reaktion auf die Klimaveränderung auf. Es koste 1 Milliarde den Klimawandel aufzuhalten (oder in Grenzen zu halten), dagegen mindestens 5 Milliarden einfach abzuwarten, bis die Schäden eintreten.

 

 

Klimaschutzpolitik im öffentlichen Raum

In den vergangenen 10 Jahren entstanden 800 Wohnungen, zwei Schulen und diverse Kindertagesstätten im Passivhausstandard in Frankfurt am Main. Heute gibt es bereits über 100.000 Quadratmeter Nutzfläche in verschiedenen Gebäudetypen im Passivhausstandard allein in Frankfurt. Für den Leiter des Energiereferats der Stadt Frankfurt, Dr. Werner Neuman, erfolgte diese Entwicklung u.a. aufgrund der Entscheidung, auf Energieeffizienz als Kern der Klimaschutzpolitik zu setzen, und den Beschlüssen, den Passivhausstandard verbindlich festzulegen.

Auffallend in der Arbeitsgruppe „Initiativen und Energieeffizientes Bauen im öffentlichen Raum“ waren die viele Wortmeldungen der Zuhörer aus Kommunen und Behörden auf der Suche nach Erfahrungsaustausch („Wie setzt man das Thema in den Behörden um?“, „Wie stellt man ein professionelles Team zusammen?“).

Passivhaus im Nichtwohnbau

Die Fragen nach der Anwendung des Passivhausstandards in Sporthallen mit reinem Sportbetrieb wurden von Oliver Kah (PHI) beleuchtet: Eine klassische Passivhauslösung mit Beheizung über Frischluft ist möglich und erlaubt wirtschaftlich optimierte Bauten. Benötigte Luftmengen für Halle, Umkleiden und Duschen sind gleich groß und erlauben die Überströmung von Halle über die Umkleide zur Dusche.

Die Erfahrungen der Stadt Hannover mit Passivhäusern wurden von Stefan Bär (Landeshauptstadt Hannover) vorgetragen. Dort werden kommunale Bauten nur noch im Passivhausstandard konzipiert, dafür sind die Pilotprojekte bereits fertiggestellt.

Die Vorteile der Anwendung des Passivhausstandards an Schulen und Kindergärten zählte Axel Bretzke (Hochbauamt der Stadt Frankfurt) (Foto) in seinem Vortrag auf: Besserer Komfort, vernachlässigbare Heizkosten, gute Wirtschaftlichkeit und ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz mit Heizkostenreduzierung gegenüber dem noch gültigen deutschen Standard (EnEV) um den Faktor 5 bis 10, wie an der Passivhaus-Grundschule Riedberg - siehe Foto (Quelle: Architekten 4a) unten (link zur pdf-Datei unter www.passiv.de).

 

 

 

Passivhaus weltweit

Es wurden die Optionen für Passivhäuser in anderen Klimaten diskutiert: Kann man im Mittelmeerraum, in den sehr verschiedenen Klimaten der USA, in Osteuropa und in besonders kalten Gegenden (Finnland, Dänemark, Schweden, Arktis, Lettland) Passivhäuser bauen, und wie müssten sie aussehen? Für viele Klimate konnte die Machbarkeit gezeigt werden, mancherorts besteht noch Bedarf an Verbesserung der Komponenten oder an Forschung.

Neues aus Forschung und Entwicklung

Ein Hallenbad im Passivhausstandard – lässt sich das realisieren? Tanja Schulz (PHI) nahm die Herausforderung an. Jürgen Schnieders (PHI) zeigte, wie sich eine Feuchterückgewinnung in der Lüftungsanlage auf die Energiebilanz auswirkt.. Franz Freundorfer (PHC) stellte eine neuartige Fensterkonstruktion vor, die geringe Kosten mit schmalen Ansichtsbreiten und einem passivhaustauglichen Wärmeschutz verbinden soll. Iris Behr (IWU) untersuchte das Model einer Warmmiete bzw. berichtete über die Einführung einer Heizkostenpauschale im Passivhaus mit der Abrechnungs- und Verwaltungsaufwand gespart werden könnten.

Sanierung mit Passivhaus-Komponenten

Die Anwendung von Passivhaus-Komponenten in der Modernisierung von Gebäuden bewirkt eine bedeutende Einsparung – dies wurde von Dr. Berthold Kaufmann (PHI) und Søren Peper (PHI) am Beispiel des Modernisierungsprojektes Tevesstraße (Foto) gezeigt. Dank der Komplettsanierung von 60 Wohnungen der ABG-FH in Frankfurt aus den 50er Jahren mit Passivhauskomponenten reduzierte sich der Heizwärmebedarf nach PHPP von 290 kWh/(m²a) um über 90% auf 17 kWh/(m²a). Die zweijährige messtechnische Begleitung hat diesen Erfolg bewiesen. Das Parallelprojekt der GAG in Ludwigshafen zeigt für die dortige Altbausanierung einen ebensolchen Erfolg. Beide Forschungsberichte sind unter www.passiv.de abrufbar.

Gebäudetechnik

Mark Siddall (DEWJO’C Architects) hat gezeigt, wie wichtig eine winddichte Ausführung der Wärmedämmung und eine Abdichtung der Zwischenräume zwischen Reihenhäusern ist. Bei schlechter Ausführung, insbesondere bei umströmten Dämmplatten im mehrschaligen Mauerwerk, kann sich der Wärmeverlust leicht mehr als verdoppeln. Danny Parker (Florida Solar Energy Center) führte ein innovatives, kostengünstiges hybrides Kühl- und Entfeuchtungssystem vor, das - über den in den USA gewöhnlich nicht ausgebauten Spitzboden - die Kühle des Nachthimmels zur Kühlung bzw. die Hitze des durch die Sonne aufgeheizten Raumes zur Entfeuchtung nutzen kann.

Über 4.000 Besucher bei der Fachausstellung

Die begleitende Fachausstellung stieß auf großes Interesse – 4.000 Besucher suchten Informationen zu Produkten, neuen Systemen und Verfahren des energieeffizienten Bauens in der Halle 5.1 der Messe Frankfurt. Neben den Tagungsteilnehmern selbst, die in den Pausen die mehr als 100 Stände besuchten, war vor allem Fachpublikum (Architekten, Planer, Studenten) präsent sowie zahlreiche Bauherren und Familien, die sich aufgrund eines eigenen bevorstehenden Projekts über den Passivhausstandard informieren wollten.

 

Der Gemeinschaftsstand der IG Passivhaus Deutschland, des Passivhaus Instituts und der Passivhaus Dienstleistung GmbH wurde förmlich überrannt: Am Stand konnten die Besucher in der Fachliteratur zu verschiedenen Schwerpunkten stöbern, sich über die Grundprinzipien des Passivhaus-Konzepts informieren und die neue Auflage der Broschüre „Aktiv für mehr Behaglichkeit: Das Passivhaus“ mitnehmen. Auf dem gut besuchten Herstellerforum informierten die Aussteller über ihre neuen Produkte und Verfahren zum energieeffizienten Bauen.

 

Die vom Passivhaus Institut konzipierte Wanderausstellung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bildete einen Höhepunkt der Leitmesse der Passivhausbranche. Die Besucher verschafften sich vor 18 Schautafeln und Modellen leicht verständliche Informationen zu den Prinzipien des Passivhauses.



Die nächste Tagung findet am 28. und 29. Mai 2010 in Dresden statt. Davor öffnen Passivhausbewohner weltweit ihre Häuser während der 6. Tage des Passivhauses von 06. bis 08. November 2009. Ab September 2009 stehen die zu besichtigenden Häuser unter www.passivhausprojekte.de

Die Veranstalter bedanken sich bei allen Beteiligten:

den Partnern,
den Förderen und den ideellen Trägern,
den Helferinnen und Helfern,
den Chairmen/Chairladies und den Referenten/innen,
den Ausstellern und
einem begeisterungsfähigen Publikum.

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